Studieren in Australien
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Studieren in Australien

Unterschiede zwischen dem deutschen und dem westaustralischen Bildungssystem

Wer über ein Aufenthalt in Westaustralien als Austauschstudent nachdenkt, braucht im Grunde nicht besonders viel Information über die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem australischen Bildungssystem.

Natürlich hängen die einzelnen, relevanten Unterschiede auch vom jeweiligen Studiengang ab, meistens aber, kann man sich einfach darüber informieren, ob der im Ausland gewählte Kurs mit dem im Heimatland aufgenommenen Studium kompatibel ist, fragt am besten im Seminar des Studiengangs nach, ob Scheine übernommen werden können und was für Voraussetzungen erfüllt werden müssen damit das geschehen kann und das war es dann auch schon. Für diejenigen aber, die längere Zeit in Westaustralien studieren, zur Schule gehen, oder auch einen Abschluss machen möchten, empfiehlt es sich ein wenig mehr über die Unterschiede in den beiden betroffenen Bildungssystemen herauszufinden.

Wie auch in Deutschland ist die erste Voraussetzung für eine Zulassung an einer Universität in Australien der erfolgreiche Abschluss an einer weiterführenden Schule, sprich Highschool. In Westaustralien fängt die Highschool ab der achten Klasse an.

Seit 2008 wurde das Alter, in dem man frühestens die High School verlassen darf, von 16 auf 17 angehoben worden. Das bedeutet, dass der früheste Abschluss nach der elften Klasse erfolgt. Obwohl es einige Ausnahmen gibt, kann man verallgemeinern, dass nach Abschluss der elften Klasse eine Weiterbildung durch TAFE (Technical and Further Education) erfolgen kann und nach Abschluss der zwölften und letzten Klasse ein Studium an einer Universität möglich ist.

Über den Daumen gepeilt entspricht TAFE etwa einer Ausbildung in Deutschland, genießt in Australien aber ein höheres Ansehen als bei uns die Ausbildung. Nach erfolgreichem Abschluss eines TAFE-Kurses können diejenigen, die Interesse an einem Universitätsstudium haben, den abgeschlossenen TAFE-Kurs anrechnen lassen und das erste Studienjahr an der Uni überspringen. Ob das möglich ist, hängt aber wieder vom TAFE-Kurs und dem ins Auge gefassten Studium ab. Für alle, die nach der Highschool studieren möchten, werden spezielle Wahlkurse zu Pflichtfächern, die erfolgreich absolviert werden müssen um eine Chance zu haben zugelassen zu werden.

Das Studium an einer Uni hat in Westaustralien noch einen elitäreren Ruf als in Deutschland. Längst nicht alle, die an die Uni wollen, kommen auch dahin. Gleichzeitig ist ein Unistudium dort unten nicht so imminent für eine Karriere wie es das bei uns ist. Westaustralien wird von der Primärindustrie im Nordwesten dominiert, wo Eisenerz, Gas, Salz, Gold, Diamanten und andere Bodenschätze abgebaut werden. Obwohl der Sekundärsektor im Süden stetig wächst, ist es weiterhin ohne jede Schwierigkeit möglich, ein überdurchschnittliches Einkommen zu haben, ohne eine spezielle Ausbildung zu genießen. Selbst TAFE-Kurse sind nicht zwingend notwendig um im Nordwesten als Bauarbeiter etc. gutes Geld zu machen.

Auch an der Universität kann man den Einfluss der Primärindustrie in Westaustralien deutlich spüren. „Engineering“ (Maschinenbau) ist der beliebteste Studiengang an der University of Western Australia und auch wenn Jura und Medizin noch mehr Prestige genießen, so findet Engineering auf jeden Fall eine Menge Anerkennung und bietet eine unverhältnismäßig größere Chance nach einem erfolgreichen Abschluss sofort Arbeit zu finden.

Absolviert man die zwölfte Klasse und besucht alle voraussetzungspflichtigen Kurse, dann kann man sich an maximal drei verschiedenen Universitäten bewerben. Studienplätze werden anhand des T(ertiary) E(ntrance) R(ank) vergeben, ein Top-Wert den man im Vergleich zu sämtlichen anderen Highschool-Absolventen bekommt. Sagen wir also als Beispiel, dass, um für einen BA-Studiengang an der UWA zugelassen zu werden, ein Minimum-TER von 87% erforderlich ist. Das bedeutet, dass man unter den Top 13% der Highschool-Absolventen des entsprechenden Jahres sein muss.

Der einheitlich strukturierte und umfassende Bachelor/Master-Studiengang ist in Australien, anders als bei uns, schon seit langer Zeit etabliert, was den Studienaufbau für australische Studenten erleichtert. Es gibt aber noch einen alternativen Diploma/Advanced Diploma-Studiengang, der aber weitaus weniger populär ist. Eine Auflistung von verschiedenen Abschlüssen, die man an australischen Universitäten absolvieren kann, gibt es hier perth-australien.com/studium-in-perth/.

Das bedeutet aber nicht, dass man als Andersgearteter, ich z.B. habe noch einen Magisterstudiengang absolviert, in irgendeiner Form Probleme bekommt. Am besten man informiert sich über das Kursangebot der gewünschten Uni im Internet und hält dann kurz Rücksprache mit seinem Kustos, ob man sich den Schein, sollte man denn bei dem spitzen Wetter überhaupt zum Studieren kommen, anrechnen lassen kann.

An der University of Western Australia, oder kurz UWA, werden die meisten Seminare im ersten und zweiten Studienjahr in zwei Teile a 45 Minuten aufgespaltet. Klar, jeder hat da seine Präferenzen, aber mir persönlich gefiel das um einiges besser als ein sechsstündiges Blockseminar. Für 45 Minuten schafft es selbst mein medienzerfressenes Gehirn sich voll zu konzentrieren und nicht, wie in manch anderer 90-Minuten-Vorlesung, nach einer Weile abzuschalten.

Die beiden Teilvorlesungen sind dann auch meistens an verschiedenen Tagen, sodass man motivierter ist, sich seine Aufzeichnungen auch tatsächlich anzusehen um in den zweiten 45 Minuten den Anschluss nicht zu verpassen. Des Weiteren ist ein zum Kurs gehörendes Tutorium Pflicht, das, wie bei uns, oft von Post-Grad-Studenten oder Studierenden in höheren Semestern geleitet und, anders als bei uns, schwer auf persönlicher Mitarbeit beruht.

Das Klima zwischen Student und Dozent ist hier ein völlig anderes als ich es an meiner Uni in Deutschland kennengelernt habe. Beziehungstechnisch fühlt es sich an wie ein Quantensprung. Auch wohl aufgrund der Tatsache, dass das Studium an sich einen elitäreren Ruf hat als zu Haus, wird man als Student ernster genommen. Hinzu kommt natürlich auch, dass die Studiengebühren in Aus von ganz anderem Kaliber sind als bei uns. Ca. 17.000 Dollar muss man für einen Bachelor-Abschluss hinblättern. Ob das nun besser ist, oder schlechter, möchte ich als einer der sein Studium nicht selbst finanzieren musste nicht beurteilen. Aber es ist schon eine feine Sache, dass man vom ersten Tag an das Gefühl bekommt, jederzeit mit seinem Dozenten über sachrelevante Dinge diskutieren zu können, ohne von oben herab oder als Störenfried behandelt zu werden.

Ein absolutes Highlight, dass ich, nach meiner Rückkehr an meine Alma Mater, sehr vermisst habe, sind I-Lectures. Für verwöhnte Studenten an deutschen Privat-Unis mag dieser Begriff vielleicht ein alter Hut sein, aber ich war doch schwer überrascht und schnell begeistert von der Tatsache, dass alle Vorlesungen (allerdings nicht die Tutorien) im Internet abrufbar und zum Download freigegeben sind. Ipod-kompatibel findet man da eine saubere Auflistung aller Vorlesungen deren wiederholtes Zuhören zum absoluten Pflichtprogramm unter australischen Studenten zählt.

Bevor es zur Abschlussklausur eines Kurses kommt, gibt es eine Woche Pause. Pre-Examination Study Break, nennt sich das ganze und ist natürlich eine hervorragende Ausrede für Studenten während der Vorlesungszeit zu faulenzen um dann in der Woche vor den Klausuren sich sämtliche Informationen ins Kurzzeitgedächtnis zu hämmern. Wer also zu der Zeit viele Studenten mit MP3-Player in der Hand durch die Gegend laufen sieht, der weiß, das nicht das viel antizipierte vierte Strokes-Album aus den Kopfhörern sondern stattdessen diese grauenhafte Economic and Business Statistics Vorlesung von vor zwei Monaten dröhnt.

Für den Kurzzeit-Austauschstudenten, der ein oder zwei Semester das Leben an einer Uni von Australiens schönster Küste erleben möchte, gibt es also nicht viele Dinge, die man besonders beachten muss um als Student (bildungstechnisch) zu überleben. Unter der Oberfläche gibt es aber viele kleinere und größere Unterschiede, die zu kennen für diejenigen die daran interessiert sind hier ihren Abschluss zu machen, oder ihre Gymnasiallaufbahn hier unten zu beenden (oh ja, das gibt’s auch!) sinnvoll sein dürften. Für mehr Informationen über den Schulabschluss empfiehlt sich der Kontakt zu AA Education Network.

TAFEWA hat ebenfalls eine interessante Website mit einer Unmenge an Informationen zu den verschiedensten Ausbildungsplätzen und für den potenziellen Austauschstudenten ist eine Beratung zu den jeweiligen Universitäten unverzichtbar.