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Kings Park Perth

Eine der schönsten Stellen in Perths unmittelbarer Umgebung ist Kings Park. Nur ein paar Minuten vom Stadtzentrum entfernt, liegt Kings Park zwischen Nedlands und Subiaco direkt am Swan River und bietet eine wunderschön gepflegte Anlage die für Jogger, Familienausflügler, Barbecue-Begeisterte, Hobby-Botaniker, Faulenzer und Fußballspieler gleichermaßen geeignet ist.

Außer der Familie und vielleicht dem Botaniker kommen die anderen Bezeichnungen alle für mich in Frage. Daher dürfte es niemanden verwundern, dass ich ein großer Fan von Perths zentraler Parkanlage bin und mich gerne und häufig in einer der Ecken herumtreibe. Der Park wird auch häufig für größere Events wie Freiluftkino, Theatervorstellungen oder Konzerte genutzt und stellt daher auch abends eine beliebte Location für jung und alt. Nachdem ich Zuschauer einer Aboriginal-Tanzvorstellung sein durfte und dabei erfuhr, dass Kings Park schon lange bevor die umgebende Stadt existierte ein beliebter Ort für Versammlungen jeglicher Art war, wurde mein Interesse geweckt ein wenig mehr über die Geschichte der Anlage zu erfahren.

 
 

Wie entstand der Kings Park?

Aboriginals besuchten diesen Ort nämlich schon seit mehreren tausend Jahren, allerdings hieß er damals wie man sich denken kann noch nicht Kings Park, sondern wurde von den australischen Ureinwohnern Mooro Katta oder Kaarta Gar-up genannt. Auch wurde dieser Name nicht speziell für den Park sondern für den im Park befindlichen Mount Eliza benutzt. Der Berg hat noch heute eine große zeremonielle und kulturelle Bedeutung für die Aboriginals in Westaustralien. Unter anderem ist er ein wichtiger Ort für die Traumzeit junger Aboriginalmänner.

Zwei Jahre nachdem 1829 die Swan River Kolonie gegründet wurde, reservierten Lieutenant Gouverneur James Stirling und General John Septimus Roe den größten Teil des Gebiets das heute Kings Park und den botanischen Garten ausmacht für öffentliche Zwecke. 1872 gaben Gouverneur Frederick Weld und General Malcolm Fraser öffenltich bekannt, dass 175 Hektar des Reservoirs als öffentliche Parkanlage jedem zur Verfügung stehen sollten, nachdem sowohl die Stadtteile Subiaco als auch West Perth nach massivem Anwohnerzuwachs auf das Gebiet drängten. Ein weiterer Teil wurde 1890 zum Park hinzugefügt und ließ ihn auf seine heutige Größe von 400,6 Hektar anwachsen.

Das große Lord Forrest Memorial wurde 1927 zu Ehren von John Forrest enthüllt. John Forrest wurde 1890 Premier von Westaustralien und trieb 1892 die Entwicklung des Parks massiv voran. Der Park wurde auf beiden Seiten der neu entstandenen Perth Park Road eingezäunt. Einzelne Teile der Park Road erhielten seitdem neue Namen wie Fraser Avenue, Forrest Drive und Poole Avenue. Forrest nannte das Gebiet 1895 schlicht und ergreifend den Perth Park. Der Name wurde 1901 in Kings Park umgeändert um die Krönung von King Edward VII von Britannien zu ehren. Aber die eindrucksvolle Statue ist beileibe nicht das einzige Denkmal in der Parkanlage. Der Cenotaph zum Beispiel ist ein gewaltiger 18 Meter hoher Obelisk aus Granit, der allen Westaustraliern gewidmet ist, die ihr Leben für ihr Land geopfert haben. An der Innenseite des Unterbaus sind mehr als 7000 Namen derer aufgelistet, die im Dienst an der Waffe während des ersten Weltkriegs umkamen. Die große Bronzeplakette auf der Außenseite des Unterbaus liest beinahe 4000 Namen: die westaustralischen Gefallenen des zweiten Weltkriegs. Auch die restlichen Toten aus den nachfolgenden Konflikten mit westaustralischer Beteiligung sind hier vermerkt.

Andere sehenswürdige Denkmäler sind die Queen Victoria Statue der Leake Memorial Brunnen und das Bali Memorial. Eins meiner persönlichen Favoriten ist die Blumenuhr (Floral Clock) am Ostende des Parks. Der Nachlass von F.F.B. Wittenoom, einem westaustralischen Geistlichen, wurde genutzt um eine Blumenuhr zu bauen, oder vielmehr zu pflanzen, welche 1962 der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Alle halbe Stunde können die Ornithologen unter euch den Ruf des Rufous Whistler Vogels hören, der per Lautsprechersystem zur halben und vollen Stunde pfeift. Anders als viele andere Bereiche des Parks, kann man diese Örtlichkeit nicht für private Veranstaltungen mieten, aber man kann oft frisch vermählte Paare beobachten, die sich vor der Uhr fotografieren lassen. Die Uhr ist ein sehr beliebtes Fotoobjekt, nehmt also eure Kamera mit.

 
 

Einige Veranstaltungstipps

Viele der öffentlichen Veranstaltungen sind einmalig und verlangen einen Blick in den Kalender. Es gibt aber ein paar feste Termine, die man sich im Kalender vermerken kann.

Das Kings Park Festival ist schon lange Tradition und wurde ins Leben gerufen um den Frühling und die wunderschönen Wildblumen, die als Begleiterscheinung dieser Jahreszeit im Südwesten von Australien erblühen, zu feiern. 1965 wurde das Kings Park Festival zum ersten mal gefeiert, damals noch als bescheidenes Fünf-Tage-Festival. Es wurden Pflanzen verschiedener Art in Gläsern ausgestellt. Heutzutage trifft sich die internationale Zunft der Botaniker zu diesem Termin und die Blumenschau hat daher einiges an Professionalität gewonnen. Dazu gab es Live-Musik, Ausstellungen, Workshops, offizielle Führungen und andere Familienaktivitäten. Außerdem geht das Festival heute nicht mehr nur über fünf Tage, sondern zieht sich über den gesamten Monat September hin, in welchen der Park noch mehr Besucher als sonst anzieht. 2009 besuchten über 500.000 Leute die Festivität, darunter Hobby- und Profigärtner, Familien, Studenten, Künstler, oder einfach Naturliebhaber. Das Festival bietet tatsächlich etwas für jedermann. Selbst die junge In-Crowd lässt sich zu dieser Zeit dort blicken.

Der ANZAC Day ist ein weiterer wichtiger Termin im Veranstaltungskalender von Kings Park. Jedes Jahr am 25 April ist das State War Memorial für die Morgenandacht der zentrale Sammelpunkt. ANZAC steht für Australian and New Zealand Army Corps, ein Armeekorps der Streitkräfte des Britischen Empire im Ersten Weltkrieg. Am ANZAC Day wird den Gefallenen dieses Corps, das unter anderem in der Schlacht von Gallipoli kämpfte, gedacht. Früh am Morgen versammeln sich alle Teilnehmer am War Memorial wo durch dezente visuelle Präsentationen auf die Bedeutung des Tages hingewiesen wird. Meist wird die Andacht mit einer Rede beendet. Später am Morgen versammeln sich alle Teilnehmer für einen schweigsamen Marsch zur Esplanade, wo die zweite Andacht gehalten wird. Jeder, der sich ein wenig für australische Geschichte interessiert, darf dieses Ereignis nicht verpassen. Es war ein ergreifender Moment als ich Zeuge war wie  40.000 Menschen im Kings Park eine Schweigeminute einlegten.

Das bombastische Feuerwerk, das jedes Jahr Ende Januar am Australia Day stattfindet, ist ebenfalls ein guter Grund sich im Kings Park einzufinden. Das Feuerwerk steigt zwar nicht im Park sondern auf dem Swan River vor der Skyline der Innenstadt, kann aber vom Park aus hervorragend beobachtet werden. Daher ist Kings Park, neben dem Swan River Ufer, der beliebteste Aussichtspunkt auf das Feuerwerk. Also, 8 Uhr abends am nächsten 26. Januar weiß wohl jeder wo es hingeht. Getrunken und geraucht werden darf hier zwar nicht, aber das kann man ja auch alles vorher und vor heimischer Kulisse erledigen.

Die meisten anderen schon Anfangs erwähnten Outdoor-Veranstaltungen, wie Theatervorstellungen oder Opernaufführungen finden in den Frühlings- und Sommermonaten statt. Von Oktober bis März ist der Veranstaltungskalender im Kings Park gut gefüllt. Ein Besuch auf der Website lohnt sich also auf jeden Fall um heraus zu finden was gerade so läuft. Aber selbst wenn euch kein Event zusagen sollte, wäre es töricht nicht mal einen Blick in den Park zu werfen. Ich verspreche, es lohnt sich.

Hendrik Busse