Broome
Broome – Ein Paradies in wüster Landschaft
Für alle die sich ein wenig Zeit nehmen können und wollen die einzelnen Ecken von Australiens größtem Staat ein wenig näher kennen zu lernen, ist Broome definitiv eine Reise wert. Da wo Wüste und Meer aufeinandertreffen und sich roter Fels, weißer Sand und blaues Wasser berühren: dort liegt Broome, auf dem traditionellen Land des Yawuru-Stammes. Oft als Südtor zur Kimberbely-Region tituliert fehlt es diesem tropischen Hafenstädtchen sicherlich nicht an Charme und Charakter. Aber es sind nicht nur warmes Klima und malerische Umgebung die aus Broome diesen einmaligen Ferienort machen. Wenn du dich vom Unistress erholen willst, oder einfach an einem Tapetenwechsel interessiert bist, ist Broome der ideale Urlaubsort. Mach einen kleinen Spaziergang am weltbekannten Cable Beach, das Zuhause für eine Fülle von Meerestieren, und eingerahmt von den roten Pindan Klippen. Aber Vorsicht vor spitzen Steinen unter dem feinen weißen Sandstrand, die können fies pieksig sein!
Ein Urlaubsort im Nordwesten
Genieß das wunderschön klare, blaue Wasser und geh Schwimmen, Segeln, fahrt auf einem Perlenkutter rum, geht Fischen (macht da oben tatsächlich Spaß!) oder schaut einfach den Gezeiten zu, während ihr euch die Sonne auf den Pelz scheinen lasst. Macht einen kleinen Abstecher durch Chinatown und genießt den kulturellen Gegensatz von Broomes Stadtbild in dem historische Gebäude Haus an Haus mit Neubauten stehen. Neben den modernen Perlen- und Kunstgalerien erinnert auch die Infrastruktur an vergangene Tage, als die Perlenmeister als neue Wunderkinder der Industrialisierung gefeiert wurden und Perlenkutter die Küste von Broome bevölkerten. Die Küche in Broome ist ein bunter Ost-trifft-West Mischmasch, und bietet für jeden etwas. Aber auch traditionelle italienische Restaurants mit Steinofen findet man hier. Und wenn man abends bei einem Cocktail in einer Strandbar den fantastischen Sonnenuntergang betrachten kann, dann weiß man, dass es eine gute Entscheidung war einen Flug nach Broome zu buchen, anstelle sich das IPhone zu kaufen.
Obwohl es in den Tropen liegt, hat Broome technisch gesehen ein für den niedrigen Breitengrad typisches halbtrockenes Klima. Wie die meisten Teile der australischen Tropen hat Broome zwei Jahreszeiten: Trockenzeit und Regenzeit. Die Trockenzeit geht ca. von Mai bis November. Dann gibt’s fast jeden Tag komplett wolkenlosen blauen Himmel und Höchsttemperaturen um 30 Grad Celsius herum. Das ist für uns deutsche Frostbeulen also noch sehr aushaltbar und wesentlich angenehmer als die knapp 50 Grad, die es manchmal im südlicher gelegenen Dampier gibt. Die Regenzeit in Broome geht von Dezember bis April mit Höchsttemperaturen von bis zu 35 Grad, unberechenbaren tropischen Regenfällen und hoher Luftfeuchtigkeit. Diejenigen unter euch die sehr wetterfühlig sind, sollten sich in der Zeit auf Kopfschmerzen einstellen. Ich weiß wovon ich rede. Broome ist anfällig für die tropischen Stürme, die sogenannten Cyclones, welche, zusammen mit den unberechenbaren Gewittern eine große Rolle in der Unbeständigkeit der Regenfälle spielen. Im Januar 1922 gab es in Broome einen Niederschlag von nur 2,8 Milimeter während 1997 im Januar 910,8 Milimeter fielen. Bodenfrost gibt es in Broome nicht, aber der Klimawandel sorgt dafür, dass es in den kälteren Monaten manchmal auf bis zu 3 Grad abkühlen kann.
Etwas zur Geschichte
Der erste Europäer der Broome, oder vielmehr den Ort der einmal Broome werden sollte, besuchte war William Dampier, Namensgeber des etwas weiter südlich von Broome gelegenen Ortes, im Jahre 1688. Viele der Nutzgebäude und Straßen an der Küste sind daher in dieser Gegend nach ihm benannt. 1879 schlug Charles Harper vor, dass die Perlenindustrie von einem Hafen der näher an den Perlenfischergründen läge profitieren könnte und das Roebuck Bay sich dafür eigne. Vier Jahre später wählte der selbsternannte Lord John Forrest den Standort für die neue Stadt aus die nach Sir Frederick Broome benannt wurde, dem Gouverneur von Westaustralien 1883-1889.
Die Stadt hat definitiv eine interessante Geschichte und wuchs und gedieh zunächst hauptsächlich mit den Gewinnen aus der Perlenfischerei. Anfangs noch beschränkt auf das Fischen von Austern, werden Heutzutage Perlenfarmen systematisch angebaut und abgeerntet. Die Reichtümer aus der Perlenfischerei wurden aber teuer bezahlt. Auf dem Friedhof von Broome wurden 919 japanische Perlentaucher zur ewigen Ruhe gebettet die ihr leben für das kostbare Tiefseegut ließen. Noch viele mehr sind während ihrer Arbeit draußen im Meer verschollen und daher ist die genaue Zahl der Verunglückten nicht bekannt.
Die Japaner waren aber nur eine der vielen ethnischen Gruppen die es nach Broome zog um entweder in der Perlenindustrie oder in einer der Nachbarindustrien zu arbeiten. Sie waren speziell ausgebildete Taucher die, obgleich massiver politischer Druck wegen der „White Australia Policy“ (Restriktion der „nicht weißen“ Immigranten von 1901 bis 1975) auf sie ausgeübt wurde, schnell zu einem unersetzlichen Teil der Industrie im Nordwesten wurden. Das änderte sich natürlich mit Beginn des zweiten Weltkriegs. Broome wurde im Kriegsjahr 1942 am 3. März von japanischen Flugzeugen attackiert. Mindestens 88 Menschen kamen dabei ums Leben.
Der allgemeine Bergbauindustrieboom der 1960er Jahre in Westaustralien, sowie das stetige Wachstum in der Tourismusbranche, halfen Broome beim Ausbau und der Diversifizierung der Infrastruktur. Broome ist eine der am schnellsten wachsenden Städte in ganz Australien.
Cable Beach
Der berühmte Cable Beach liegt ca. sieben Kilometer von der Stadt entfernt an einer befestigten Straße (das ist in der Region nicht unbedingt Gang und Gebe). Benannt nach der Telegrafenleitung die zwischen Broome und Java 1899 gelegt wurde genießt Cable Beach den Ruf einer der schönsten Strände Australiens zu sein. Er ist 22,5 Kilometer lang, mit wunderschönem weißen, feinen Sand, der jeden Tag von den Gezeiten reingewaschen wird. Der Tidenhub kann über neun Meter erreichen. Das Wasser ist von türkiser Farbe und glasklar. Die Brandung ist nicht besonders stark und rollt eher gemächlich an den relativ flachen Strand. Von November bis März sollte man allerdings extrem vorsichtig sein, denn da bevölkern die gefährlichen Boxjellyfishes den Strand. Mehr dazu könnt ihr hier lesen: perth-australien.com/wuerfelquallen-australien/. Mit einem Allradwagen kann man vom Parkplatz auf den Strand fahren. Das ermöglicht euch bei Niedrigwasser den kompletten Strand zu erkunden, etwas das zu Fuß eine ganz schöne Tortur sein kann. Kamelausritte am Strand bei Sonnenuntergang werden ebenfalls wärmstens empfohlen.
Cable Beach ist außerdem einer der berühmtesten Nacktbadestrände von Australien, naja, ein Teil davon wenigstens. Nacktbaden ist in Australien wesentlich weniger beliebt als in Europa und die FKK-Strände sind rar gesät. Der FKK-Bereich befindet sich nördlich der Zugangsstraße zum Strand und erstreckt sich bis an die Mündung des Willie Creek (ja, die unreifen Leser dürfen hier gerne kichern). Im Osten von Cable Beach auf der anderen Seite der Dünen liegt Minyirr Park, ein Küstenreservoir das vom Kreis Broome und dem Rubibi-Stamm betrieben wird.
Roebuck Bay
Da Broome auf einer Halbinsel liegt, ist die Stadt sowohl im Norden als auch im Süden vom Wasser eingegrenzt. Südöstlich entlang der Küstenlinie liegt Roebuck Bay, das sich vom Haupthafen bei Port Drive zum Sandy Point westlich der Thangoo Station erstreckt. Die Interessierten dürfen an dieser Stelle gerne Googlemap bemühen. Town Beach am Ostende ist Teil der Küstenlinie und ein beliebter Ausflugsort für Besucher. Es ist Außerdem der Schauplatz für die berühmte „Treppe zum Mond“. Der Gezeitenwechsel gepaart mit Mondscheinnächten kreiert am Town Beach ein spektakuläres Naturphänomen. In diesen Nächten wird ein kleiner Markt am Town Beach betrieben.
Roebuck Bay ist außerdem von internationaler Bedeutung für die Millionen von Zugvögeln, die jede Saison auf ihrer Reise durch die ostasiatischen und australasiatischen Gebiete bis zu ihrer Brutstätte in Nordasien hier Halt machen. Sie finden im ausgedehnten Wattgebiet von Roebuck Bay reichlich Futter und ruhen sich bei Flut auf dem rötlichen Sandstrand aus. Die größten Gruppen können im Sommer beobachtet werden, aber viele der jüngeren Vögel ziehen nicht mit dem Schwarm mit sondern bleiben während ihrer ersten beiden Lebensjahre in Roebuck. Eine Vogelbeobachtungsstation an der nördlichen Küste von Roebuck Bay wurde 1990 eröffnet und kann besucht werden.
Neugierig geworden?
„Staircase to the Moon“, Kamelritte und spitzenmäßige Strände hören sich gut an? Das ist beileibe nicht alles, was man sich bei einer Reise nach Broome zu Gemüte führen kann. Zum Pflichtprogramm gehören außerdem ein Besuch des Broome Ice Creamery Paspaley Center, denn dort gibt’s phantastisches Eis. Das Sun Outdoor Cinema ist ebenfalls eine Attraktion, genauso wie der Crocodile Park. Wer keine Lust auf Besichtigungen hat der düst ein bisschen auf einem Hovercraftboot herum, denn das macht auch Spaß. Und für alle Dino-Fans gibt’s dort oben noch ein spezielles Schmankerl: am Gantheaume Point (südliches Ende von Cable Beach) kann man Fußabdrücke der Urzeitechsen betrachten. Sie stammen Schätzungen nach aus der Kreidezeit und sind circa 130 Millionen Jahre alt. Man kann die Spuren allerdings nur bei extremer Ebbe betrachten. Außerdem sind nicht mehr alle vorhanden, denn ein paar der Abdrücke wurden Ende der 90er Jahre geklaut. Ja, ganz recht: man stiehlt dort oben Fußabdrücke. Das ist aber auch schon das einzig Negative was mir zu Broome einfällt.

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